Nach dem Monat mit ziemlich geregelten Tagen auf Susannes Farm freuten wir uns darauf, wieder spontan „der Nase nach“ weiter zu reisen. Der Name Vimmerby stach uns beim Blick auf die Landkarte ins Auge und Rebi meinte, sie kenne dort jemanden. Also fuhren wir hin und trafen Rebis Bekannte Astrid auf dem Dorfplatz, wo sie gerade an ihrer Schreibmaschine hockte. Rebi setzte sich für einen kurzen Schwatz zu Astrid an den Tisch. Diese Astrid ist wirklich eine fleissige Person. So viele Geschichten hatte sie schon geschrieben und auch jetzt schien sie völlig in ihre Arbeit vertieft. Wir entschieden uns, sie nicht allzu lange aufzuhalten und machten uns auf, die Umgebung in Astrids Heimatstadt zu erkunden.

Die Nase entschied, dass wir in die Region Västergötland fahren würden, das ist die wunderschöne, fruchtbare Region zwischen den zwei grössten Seen des Landes: dem Väner- und dem Vättersee. Auf dem Weg dorthin lauschten wir der spannenden Geschichte von Ronja, der Räubertochter, deren Abenteuer ebenfalls von Astrid niedergeschrieben worden waren. Mojo wollte unbedingt den Höllenschlund besichtigen, denn er steht auf Abenteuer. Natürlich erfüllten wir ihm diesen Wunsch und stiegen hinab in die Schlucht. Noch immer zittern Wilddruden, Graugnomen und Rumpelwichte in ihren Verstecken und hoffen, diese furchteinflössende Erscheinung möge sich im Mattiswald nie wieder blicken lassen!


Am Ufer des Väner (seines Zeichens drittgrösster See Europas) standen wir an einem menschenleeren Sandstrand, unter hohen Nadelbäumen und wähnten uns irgendwo in Südfrankreich am Meer. Wasser bis zum Horizont, wirklich eindrücklich. Zur Freude des Tages genossen wir ein erfrischendes Bad an unserem Privatstrand, bei strömendem Regen. Rebi wählte für ihren Einstieg ins kalte Nass die Technik „Vorsichtig, aber stetig vorwärts watende Grimassenschneiderin“, während Nils den „Jetzt oder nie! Ganzkörper-Schnelleintaucher“ performte. Mojo kam von diesem Spektakel nichts mit, er hütete im Bus die Heizung, denn ein Verlust derselben wäre für die schlotternd zurückeilenden Badenden schwer zu verkraften gewesen.


Im Fischerhafen von Spiken auf der Insel Kållandsö verbrachten wir die nächste Nacht, nachdem wir nach einer langen Wanderung sichtlich gezeichnet waren. Wir waren alle nass bis auf die Unterhosen (bzw. Unterwolle), Rebi hatte immer noch Mückenfragmente im Auge und Mojo hinkte mal wieder, weil der Untergrund wohl etwas gar anspruchsvoll für ihn war. So richteten wir uns gemütlich ein in unserem warmen Zuhause, trockneten unsere Sachen und erprobten Käsekuchen à la Barbara im Omnia-Backofen.

Am nächsten Tag war der starke Regen vorüber. Im kleinen Hafen von Spiken muss es während der Sommersaison viele Besucher haben, was sich an den vielen Parkplätzen und der hohen Dichte von Fischrestaurants und -läden erahnen lässt. Bei unserem Besuch war jedoch noch keine Spur von Hektik auszumachen. Bärtige Alte standen bei den Fischerbooten beisammen und grüssten freundlich. Das einzige schon geöffnete Restaurant lockte uns an und wir erstanden köstliche Fish&Chips mit Zanderfilets aus dem See.


Bei angenehmen Temperaturen und viel Sonnenschein bewegten wir uns weiter zwischen den zwei Seen nordwärts. Zumindest dachten wir, dass wir nordwärts fuhren. Wir mussten irgendwie eine Abkürzung erwischt haben oder unbeabsichtigt durch einen Teleporter gefahren sein, denn plötzlich waren wir wieder ganz nah an unserem Ausgangspunkt. So schnell kann’s gehen – einmal falsch abbiegen und zack! Schon bist du wieder im Berner Oberland. Wo es ja zum Glück aber schön ist, wie wir alle wissen…