Mit zerzausten Haaren und regelmässig schniefend sagten wir Isle of Skye und der wilden Westküste vorerst „See ya later“ und freuten uns darauf, eine neue Gegend von Schottland zu erkunden.
Unweit von Inverness, einer grösseren Stadt, folgten wir der Küste ostwärts entlang dem Moray Firth. Sofort wurde es deutlich ruhiger. Weniger Wind, weniger Betrieb, kaum mehr Wohnmobile. Die Jacke gegen Regen und/oder Wind konnten wir meist im Auto lassen oder nur zur Vorsicht zuunterst im Rucksack verstauen.
Auf dem Gelände einer Dairy Farm stellten wir den Bus hinter einem unspektakulären Container ab. Darin befand sich zu unserem Erstaunen ein absolut eindrücklicher, vollautomatisierter Shop. Wir deckten uns mit allerlei lokalen Spezialitäten ein und blieben gerade für die Nacht. Dies war ein Vorgeschmack auf den Küstenabschnitt, der nun folgen sollte: Auf den ersten Blick nicht erkennbar, was es alles zu entdecken gab – es lohnte sich, genauer hin zu schauen!


An der Küste zwischen Hopeman und Lossiemouth wanderten wir auf dem Moray Coast Trail, welcher wunderschön mal am Strand, mal durch Dünen, mal über mit Ginsterbüschen überwucherte Felsen führt. Obschon wir dieses Mal nur einen kleinen Abschnitt gegangen sind, haben wir uns diesen interessanten Trail gemerkt. Auf 70km verläuft der Weg meist abgelegen durch abwechslungsreiches Terrain, führt den hungrigen Wanderer aber auch regelmässig zu den in den entspannten Fischerdörfchen gelegenen Cafés und Pubs. Frisch verpflegt einige Schritte machen, und schon ist man wieder einsam unterwegs. Toll, oder? Wem 70km nicht genug sind, der verlängere den Marsch einfach – an beiden Enden des Moray Coast Trails schliessen sich nahtlos andere Trails an.




Wir entdeckten hier eindrückliche Höhlen in den Felsen, Rebi spottete Delfine und wir genossen feinen Fisch in einem gerade neu eröffneten Beizli, wo sich das Personal im Vorfeld dafür entschuldigte, dass es wohl etwas länger gehe mit dem Essen, das Essen aber schnell kam und dazu noch absolut lecker war.
Je weiter wir der Küste nach Osten folgten, desto spektakulärer wurde die Szenerie. Die Kühe und Schafe grasten auf nach wie vor unglaublich saftigen Wiesen nahe an immer höheren Klippen. Einige der Fischerdörfchen waren von der Küstenstrasse aus gar nicht zu sehen und zeigten sich erst, als wir auf schmalen, kleinen Strässchen steil zum Meer hinunterfuhren. Sehr beeindruckt hat uns Gardenstown. Wer hier wohnt, hat stramme Wadli oder fährt sicher an am Berg.



Sowieso war dieser schmale Streifen zwischen Land und Wasser immer wieder für Überraschungen gut und es lohnte sich, zwischendurch das Auto stehen zu lassen und den Küstenpfaden zu folgen. Hier einige Eindrücke von diesem wirklich fägigen Teil der schottischen Küste:










Viele Besucher sind auf der Suche nach dem landschaftlich wilden Schottland. Auf Skye haben wir schon einen kleinen Vorgeschmack darauf erhalten, was die beliebtesten Küstenregionen in der Hochsaison punkto Besucheraufkommen inklusive verstopften Strassen jährlich zu erdulden haben. Das wilde Schottland wird wohl deswegen zukünftig von vermehrt fuchsteufelswilden Schotten bevölkert sein, zumindest in der Hochsaison. An der Ostküste scheint alles (noch) viel unaufgeregter abzulaufen. Uns hat dies sehr zugesagt.
Besonders gefallen hat uns, dass viele Schotten offenbar ihre Ferien in der nahen Umgebung verbringen. „Dank“ der Pandemie sucht man sich seine Reiseziele nicht zwangsläufig weit weg von Zuhause aus und entdeckt seine Region aus einem neuen Blickwinkel – uns ging das in der Schweiz ja ebenfalls so.
Ob Zufall oder nicht – Begegnungen mit den hier äusserst gesprächigen Schotten liefen häufig so ab, dass sie sich unaufgeregt näherten und eine Bemerkung übers Wetter fallen liessen. Wetter war ja immer irgendwie. Und so schlecht verstehen – wie man uns in England vorgewarnt hatte – tut man sie gar nicht (imfau!). Wir genossen den unaufgeregten Schwatz zwischendurch sehr und erhielten immer wieder gute Hinweise für die anstehenden Reisetage, da sich viele der Schottischen Reisenden in der Gegend gut auskannten.
So besuchten wir beispielsweise oft Farmshops, in denen wir immer wieder überwältigt waren vom kreativen Angebot. Ab und zu war sogar ein kleines Café angeschlossen – genau unsere Disziplin!
Geschlafen haben wir in dieser Phase in der Regel sehr gut. Ausnahme war ein Abend, an dem sich in der Dämmerung der Abendhimmel plötzlich rot färbte. Rebi entdeckte durch das Heckfenster lodernde Flammen in der Ferne hinter den Dünen (wobei Ferne in diesem Fall schwierig zu definieren war). Wir streckten die Nasen nach draussen und rochen keinen Rauch – schon mal ein gutes Zeichen, dass der Wind nicht vom Feuer gegen uns wehte. Gehen oder bleiben? Wir warteten ab und lugten in regelmässigen Abständen nach draussen. Da wir auf Reisen immer mal wieder einen Krimi als Hörbuch gemeinsam verfolgen, blieb viel Raum für Mutmassungen. Ungefähr dort, wo das Feuer wütete, lag beispielsweise ein exklusiver Golfplatz, der den bedeutungsvollen Namen des letzten republikanischen Präsidenten von „ennet dem Teich“ trägt – wurde hier mutwillig Feuer gelegt? Die plötzlich am Parkplatz vorbeitrabenden Feuerwehrmänner verleihten der Situation zusätzlich eine gewisse Dramatik – aber nur kurz, denn Minuten später schlenderten sie gemächlich und ruhig plaudernd zurück zu ihren Fahrzeugen.
Am nächsten Morgen nahmen wir einen Augenschein. Auf den weitläufigen Dünen hatten bloss einige Büsche gebrannt. Der Golfplatz war unversehrt. Wir konnten beruhigt weiterreisen.

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