Mitte April 2021 haben wir einen erneuten Anlauf gewagt und sind in Richtung Skandinavien aufgebrochen. Details zu unseren Vorbereitungen und weshalb während der Fahrt nach Schweden diverse Male Sorgenfalten unsere vom Winter gebleichten Stirnen zierten, sind hier nachzulesen.


Angekommen in Schweden, verbrachten wir die erste Nacht so, wie wir uns noch viele weitere erhoffen: Alleine an einem lauschigen Plätzchen an einem See, fernab der nächsten Häusersiedlung – und ohne Mücken. Diese waren nämlich zu dieser Zeit noch nicht aktiv. Auch die Vegetation in Südschweden hatte es noch nicht sonderlich eilig. Wir fühlten uns etwas in der Zeit zurückversetzt. Während wir vor Abfahrt in Interlaken noch durch leuchtend gelbe Löwenzahnwiesen spaziert waren, streckten hier erst vereinzelt die Leberblümchen und Buschwindröschen ihre Köpfe aus dem Waldboden hervor, und an den Büschen und Laubbäumen waren noch keine Anzeichen von Frühlingserwachen zu erkennen.

See Nummer 1 von ca. 90’000 in Schweden

Da wir im Vorfeld nicht wussten, ob unsere Reise nach Schweden überhaupt zustande kommen würde, haben wir uns noch nicht allzu intensiv auf dieses Land vorbereitet. Nun waren wir hier, ganz am Anfang dieses langen Schlauchs, der sich gegen das Nordkap hoch streckt und es ist gut möglich, dass wir einen grossen Teil des Sommers in diesem Land bleiben werden. Deshalb spürten wir das Bedürfnis, erst einmal anzukommen und uns ein wenig mit den Eigenheiten von Schweden zu befassen, bevor wir wieder grössere Strecken zurücklegen würden.


Etwas Südlich von Växjö fanden wir eine gute Möglichkeit, etwas eintauchen zu können. Auf der Farm von Susanne organisierten wir uns einen Workaway-Stay. Sie lebt dort mit ihrem Baby William, sowie ihrem Hund, Katzen und Pferden.


Nach einem spannenden, lehrreichen Monat in Holmsjö rollten wir wieder los. Der Sommer ist gekommen, die Tage sind schon unglaublich lang und wir wissen, dass es noch so viel zu entdecken gibt auf unserer Weiterreise. Dementsprechend ist der Vorwärtsdrang bei uns allen spürbar…

Mojo an vorderster Front

Von der Region der grossen Seen fuhren wir in die Provinz Dalarna, dessen bekannteste Region die Gegend um den Siljansee ist. Auf dem Weg dorthin stoppten wir spontan und trafen am Ufer eines Sees auf ein Pärchen mit Hund. Mojo und Mila tobten so ausgiebig, dass der geplante Spaziergang überflüssig wurde und wir stattdessen Milas Begleiter zu einem Drink aus unserer mobilen Kaffeeküche einluden.

Es war die erste von einigen Begegnungen mit Schweden aus dieser Region und wir hatten das Gefühl, dass die Menschen hier sogar noch offener und herzlicher waren als in den anderen Gebieten. Darauf angesprochen, erklärte uns eine Schwedin, dass auch ihr Vater immer sage, hier in Dalarna habe sich Schweden nicht verändert. Auch werde hier noch stark an den Traditionen festgehalten, weshalb Dalarna wohl die beste Region wäre, um den Feierlichkeiten rund ums Mittsommernachtsfest beizuwohnen (wenn nicht gerade eine Pandemie vonstatten geht).


Die Region des Siljan-Sees ist wahrhaftig schön anzusehen. Obschon beliebt bei den Schweden selbst und wohl eine der besten Gegenden für eine Ferien-Stuga, hatten wir nie das Gefühl von Enge. Es scheint einfach genügend Platz für alle zu haben und nirgends beansprucht jemand „seinen persönlichen“ Seezugang. Das Wetter war nach wie vor sensationell und die vielen schönen Begegnungen während unserer Spaziergänge, sowie die gelegentlichen Abkühlungen im See, machten uns total happy.

Auf einer Wanderung führte ein Teilstück über Wasser, auf der Karte eingezeichnet mit Ruderboot. Wir fragten uns, wie das wohl gehen würde. Wartet ein Fährmann auf uns? Hat es ein Boot zum selber paddeln? Was macht man, wenn dieses auf der „falschen“ Seite liegt? Die Schwedische Lösung sieht so aus: Man paddelt die Strecke anstatt einmal gleich dreimal. Zuerst wird das andere Boot geholt, bevor man erneut rüberpaddelt und weiter wandert. Das ist mal so richtig entschleunigend!


Im Nord-Westen Dalarnas, nahe der Grenze zu Norwegen, genossen wir den Kontrast zu der lieblichen Landschaft am Siljansee. Auf den Hochebenen erlebten wir unsere ersten Gewitter in Schweden und testeten unsere Fitness, Mojos Knie, sowie unsere Campingausrüstung.

Weil dies uns so viel Spass bereitete, blieben wir noch etwas in der Region und absolvierten so etwas wie eine „Intensiv-Wanderwoche“ mit tollen Ausflügen in die Berge und Hügel der umliegenden Regionen, bis das Wetter wechselte und Mojo eine Pause benötigte.


Nach der intensiven Wanderwoche folgte an der Höga Kusten eine intensive Begegnungswoche. Vielleicht lag es am schöneren Wetter, oder an dem bevorstehenden Mittsommertag bei Prachtsbedingungen – jedenfalls hatten wir auf einmal unzählige Begegnungen mit Einheimischen, aber auch anderen Reisenden. Vor allem Rebi wurde andauernd in Gespräche verwickelt…


Erneut durchquerten wir das Land wieder gegen Westen. Dabei folgten wir teilweise unseren eigenen Spuren uns fuhren auf dem Vildmarksvägen eine Strecke, die wir vor drei Jahren von der anderen Richtung herkommend schon einmal gewählt hatten. Mit mehr Zeit als damals genossen wir den schönsten Teil dieses Weges erneut sehr. Bei Rekordhitze überquerten wir den nördlichen Polarkreis und suchten Abkühlung in der atemberaubenden Bergregion des Stora Sjöfallets Nationalparks.


Uns gefällt das Zickzack-Muster, welches wir auf die Schwedische Karte zeichnen. Wir empfinden die Kontraste und die Abwechslung zwischen der Küste, dem Inland und den Bergen als höchst spannend. Auf dem erneuten Rückweg an die Küste folgten wir teilweise dem Fluss Piteälven, einem der wenigen ungezähmten Ströme in Lappland. Ungezähmt bedeutet, dass der Fluss nirgends für ein Wasserkraftwerk aufgestaut wird. Die Stromschnellen von Trollforsen (lieblich) und Storforsen (gewaltig) sind beide sehr eindrücklich und definitiv einen Besuch wert.

Bei Trollforsen fliesst das Wasser in einem Haupt- sowie einem ruhigen Nebenstrom durch. Letzterer ist sehr idyllisch und beliebt bei Fliegenfischern und Kanuten. Mojo genoss die Wanderung am Wasser sichtlich und kühlte sich dankbar alle paar Meter ab, denn es war hier bei unserem Besuch drückend heiss.

Beim Storforsen hingegen ist baden keine gute Idee. Zumindest nicht im Hauptlauf. Die Wassermassen donnern hier spektakulär und mächtig hinab, 250 Tonnen Wasser stürzen hier pro Sekunde die 60 Meter Höhenunterschied hinunter, was diese Stromschnellen zu den grössten von ganz Skandinavien macht. Daneben liegt jedoch ein trockenes Flussbett mit praktisch stehenden Naturpools. Hier badet Schweden. Dutzende Grillstellen, Picknicktische und sogar eine Openair-Bühne sind passend in das Gelände voller Felsstufen eingepasst worden.

Der Fluss gefiel uns derart gut, dass wir ihm bis ans Meer folgten, wo wir in den Häfen der oberen Ostseeküste Schwedens interessante Erlebnisse hatten.


Anfang Juli öffnete die Grenze zu Norwegen. Wir entschlossen uns, vor der Weiterreise dorthin noch einmal innezuhalten und die gewonnenen Eindrücke etwas setzen zu lassen. Dies taten wir bei einem zweiten Workaway-Stay unweit der Stadt Luleå, nahe der Ostseeküste. Wir verbrachten unglaublich bereichernde knapp drei Wochen bei der Familie von Tomas, Maria, Vilma und Algot.

Nun war nach dreieinhalb Monaten die Zeit gekommen, uns vorläufig von dem lieb gewonnenen Land Schweden zu verabschieden.

letzte Nacht in Schweden, wenige Meter von der Grenze entfernt