Laut Wettervorhersage hatten wir noch eine knappe Woche mehrheitlich gutes Wetter vor uns. Nils lotste Driverin Rebi auf einer Ministrasse nach Lofsdalen. Durch viel fahrerisches Geschick erreichten wir das kleine Dorf, wo auch hier alles nur auf den Winter zu warten scheint – tote Hose. Uns überraschte dies, denn die Sommerferien in Schweden hatten mittlerweile angefangen. Im netten Café auf dem Dorfcampingplatz klärte man uns auf: Für die Schweden beginnt der Sommer erst nach Mittsommer (dieses Jahr am 26. Juni), vorher reist noch kaum jemand herum. Was für ein Gegensatz zur Schweiz, wo man am liebsten schon am Freitag vor den Schulferien losdüst (zumindest in normalen Zeiten).
Den Dorfberg – eine kleine Ausgabe des Schilthorns – hatten wir somit ganz für uns alleine. Leider hatte die Skybar zu.

Unweit des Sonfjället Nationalparks startete dann unsere nächste Tour. Wetter tiptop. Nach kurzer Absprache packten wir die Regenhosen trotzdem ein. Einen Kilometer später standen wir bei Hagel und Starkregen unter einer kleinen Fichte und schüttelten die Köpfe ob unserer Blauäugigkeit. Wir sollten ja eigentlich wissen, wie schnell das Wetter in den Bergen ändern kann.
Die Rundwanderung im Sonfjället war aber im weiteren Verlauf sehr eindrücklich. Bei richtigem „draussen zu Hause“ Wetter durchwanderten und durchkletterten wir abwechslungsreiche Landschaften, in denen wir das Gefühl hatten, alleine auf der Welt zu sein. Der Wind war eisig, die Finger klamm und immer mal wieder gab’s ein paar Tropfen. Auf den letzten Kilometern marschierten wir beschwingt, denn plötzlich war die Sonne wieder da und der Weg weniger steinig und leicht abfallend, so dass man sich richtig „im flow“ fortbewegen und dabei den Blick in die menschenleere Weite schweifen lassen konnte.
Wie die Wolken und Regenzellen kommen und gehen auch die Gedanken, während man sich fortbewegt.
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Die nächste Etappe führte uns an einen bekannten Ort. In Vemdalen waren wir schon vor drei Jahren einmal vorbeigekommen. The place to be ist hier jedoch nicht das ursprüngliche Dorf, denn auch hier wurde ein perfekt geplanter Skiresort errichtet. Dieser heisst Vemdalsskoget, liegt etwas 10 Kilometer entfernt und ist seit unserem ersten Besuch noch einmal krass vergrössert worden. Osteuropäische Arbeiter chrampfen unermüdlich und erstellen Ferienhaus um Ferienhaus. Eindrücklich, aber auch irgendwie befremdend… wir standen einsam auf dem grossen Parkplatz vor einem der Lifte und stellten uns vor, was im Winter hier jeweils abgehen muss.
Nur unweit dieser Anlagen, auf einem kleinen Parkplatz, war es wieder still und wir präparierten unsere Rucksäcke, um erneut loszuwandern. Da sprach uns Solvejg an, eine aufgestellte Kinderärztin, die in Begleitung einer rüstigen 88-jährigen Dame gerade von einer Wanderung zurückkam. Wir staunten nicht schlecht, denn das Gelände hier ist alles andere als easy. Wir erfahren, dass die ältere Sportskanone ebenfalls sehr gerne Tennis spiele und es liebe, auf die Bälle zu hauen, trotz stark eingeschränkter Sehkraft. Am Netz stehend, lasse sie die deutlich jüngere Solvejg die Laufarbeit machen. So kommen beide auf ihre Kosten… Das Gespräch war sehr erheiternd und mit einer weiteren Kontaktnummer im Gepäck starteten wir unsere Tour. Solvejg betonte mehrfach, dass wir sie jederzeit fragen können, wenn wir etwas brauchen oder wissen wollen hier in Schweden. Wenn das mal keine Gastfreundschaft ist!
Obschon es nicht viele Kilometer waren bis zum Tagesziel, war der Weg sehr anspruchsvoll. Vor allem Mojo musste sein ganzes Geschick einsetzen, um unbeschadet über die vielen grossen Geröllbrocken zu gelangen. Irgendwann tauchte der kleine See dann aber doch noch auf und wir nutzten den Komfort der kleinen Schutzhütte, um uns bei Windstille einen Tee zu kochen.

Nur wenige Kilometer Luftlinie von den modernen Anlagen entfernt, fühlte es sich an unserem Rastplatz an, als würde die Zeit stillstehen. Schutz vor der Witterung, notfalls ein kleiner Ofen gegen die Kälte und kaltes, glasklares Wasser aus dem nahen See. Wie manchem Wanderer diese bescheidene Hütte wohl schon das Gefühl von Luxus an diesem kargen Ort beschert hat? Auch wir starteten ein kleines Feuer im Ofen und genossen unser Znacht bei wohliger Wärme, bevor wir uns in unser Zelt verkrochen und dem Wind zuhörten, der daran rüttelte.

Auf dem Rückweg fing Mojo wieder an, sein operiertes Bein zu entlasten – es waren wohl etwas gar viele schwierige Stellen zu meistern gewesen für ihn und es gelang ihm nicht jedes Manöver wunschgemäss auf dem schwierigen Terrain. Zudem sind wir in den letzten Tagen wirklich viele Kilometer gewandert. Zeit also für ein paar ruhigere Tage.
Bei Regenwetter fuhren wir wieder weg von den Bergen, nach Osten an die Küste. Unterwegs hielten wir kurz bei der Tierklinik in der grösseren Stadt Östersund, um etwas Entzündungshemmer-Nachschub für Mojo zu kaufen. Es wurde ein längeres Projekt. In der Schweiz rezeptfrei erhältlich, braucht es hierzulande eine Verschreibung des Tierarztes. Dafür, so erklärte uns die Tierarztgehilfin, sei eine Untersuchung des Hundes sowie eine Blutentnahme nötig. Wir hatten nicht so Lust darauf und fragten bei unserer Tierklinik in der Schweiz an, ob sie uns weiterhelfen könnten. Kurze Zeit später schickten diese Mojos siebenseitige Krankengeschichte inklusive Rezept per Mail nach Schweden. Merci vielmal! Nun wurde ein schwedisches Rezept erstellt und mit diesem konnte Rebi in der Apotheke (Medis für Tiere gibt es nur hier) das Medikament abholen gehen. Etwas kompliziert das Ganze, aber hauptsache es hat irgendwie geklappt.
Diese Tage mit den vielen Wanderkilometern haben uns sehr gut gefallen. In Bewegung sein tut gut. Sich in den vermeindlich leeren Landschaften stetig vorwärts bewegen und merken, dass es plötzlich ganz anders aussieht als auf der anderen Seite des Hügels. Immer wieder Überraschungen: der unbekannte Vogelruf, eine auffällige Blüte, unbekannte Gerüche. Wie die Wolken und Regenzellen kommen und gehen auch die Gedanken, während man sich fortbewegt. Und das schönste: Zurück beim Nyumbani raus aus den Wanderschuhen und den muffigen Socken. Danach duschen und die Zeit haben, den Tag entspannt nochmal revue passieren zu lassen.





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