Die Vorfreude stieg. Vor zwei Jahren waren wir schon einmal in der Grenzregion von Norwegen und Schweden unterwegs. Die Erinnerungen an die Wanderungen in den wunderschönen, kargen Weiten oberhab der Baumgrenze wurden wieder wach. Vom Silijansee fuhren wir nordwestlich bis nah an die Landesgrenze.

Im Naturreservat Nipfjället bei Idre wanderten wir ein erstes Mal wieder durch diese atemberaubende Landschaft – allerdings nur für eine kurze Tour. Noch ist es für uns etwas schwierig einzuschätzen, was Mojos Bein an Belastungen verträgt. Gerade im steinigen Gelände ist die Gefahr für eine Überbelastung hoch und deshalb wollten wir es ruhig angehen. Ein weiterer Grund für eine kurze Runde war das Wetter – von den norwegischen Bergen zogen ab und zu fette Regenzellen zu uns herüber. Praktischerweise waren wir dank so viel Weitsicht jederzeit ready für eine Dusche.

fifty-fifty (Nils)

das zieht vorbei (Rebi)

hobbymeteorologen und -innen im fjäll

Das schöne ist ja, dass es eigentlich keine Rolle spielt, ob man nass wird oder nicht. Einzig das Trocknen von Mojo nach dem Ausflug braucht etwas Zeit, aber die haben wir ja.

Mit oder ohne Regen – die Stimmungen in diesem Fjäll waren zauberhaft. Deshalb erstaunte uns auch nicht, dass selbst hier oben, weit weg von Ronjas Mattiswald, noch Fabelwesen unterwegs sind. Rebi wollte sich die Chance nicht entgehen lassen und fragte den Troll für ein Foto. Dieser willigte zwar ein, aber so richtig wohl war ihm dabei nicht. Ob ihm die Sache wegen Rebi oder Mojo nicht ganz geheuer war, wollte er uns nicht verraten…


Mojo machte sehr gut mit und wir spürten, dass auch eine grössere Tour drinliegen würde. So fuhren wir weiter nach Grövelsjön, ein verschlafenes kleines Nest unmittelbar an der Grenze. Unterwegs übernachteten wir am Fluss im Tal. Wildes Campieren ist in dieser (im Hochsommer wohl sehr beliebten) Region verboten, aber es werden dafür unzählige Stellplätze zur Verfügung gestellt. Alle direkt am Fluss, grosszügig bemessen mit Feuerstelle und -holz, sowie Abfallentsorgung und Trockentoilette. Eine Übernachtung kostet umgerechnet 6 Fränkli. Wir finden’s top und ein weiteres Mal sind wir uns einig: dies wäre in der Schweiz undenkbar!

diese sechs Fränkli haben uns gar nicht gereut…

In Grövelsjön angekommen, wollten wir ein paar Schritte machen. Es wurden wirklich nur einige wenige, wobei die Hälfte davon im Laufschritt absolviert wurden. Der erste Blitz eines aufkommenden Gewitters schlug so nah ein, dass wir uns sofort einig wurden: sofort zurück in den Bus! Es wurden Erinnerungen wach an eine Situation letzten Sommer, wenige Wochen vor unserer Abreise. Aus noch beinahe heiterem Himmel schlug ein Blitz in einen Baum am Rand der angrenzenden Wiese ein, als wir uns gerade auf einen kleinen Spaziergang mit Mojo begeben wollten. Das helle Licht und der ohrenbetäubende Knall sind uns mächtig eingefahren.

Nun sassen wir aber unversehrt hier im Auto, lauschten dem Starkregen, der auf das Dach prasselte und fragten uns, wie intakt der uns schützende Faraday’sche Käfig eigentlich ist, wenn das Autodach wie bei unserem Nyumbani aus Plastik und nicht aus Metall besteht.

Die Wetterprognose für die zwei kommenden Tage war besser und so planten wir eine zweitägige Tour im nahen Långfjället mit Übernachtung im Zelt.

Es wurde eine tolle, fast 32km lange Tour, die wir unglaublich genossen. Seit Mojos Unfall sind wir nie mehr an zwei aufeinanderfolgenden Tagen so weit marschiert. Er trottete gut mit und kühlte Beine und Bauch genussvoll an den vielen Seen, Bächen und auf den Schneeflächen.

Lange hatten wir unsere Zeltausrüstung nicht mehr gebraucht. Dementsprechend waren wir nicht mehr so eingespielt. Nils verkroch sich in den falschen Schlafsack und Mojo bugsierte während der Nacht Rebi von ihrer Isomatte. Höchste Zeit, wieder mehr zu üben!

Kurz vor Ende der Tour passierten wir eine Herde Rentiere. Immer noch ein schöner Anblick, auch wenn wir mittlerweile wissen, dass es in ja in Schweden keine wilden Rentiere mehr gibt. Mojo war bei ihrem Anblick möglicherweise etwas konfus, denn diese Tiere rochen zwar wie Wild, flüchteten aber nicht, als wir aufkreuzten. Vielleicht war er ja ganz froh, nicht noch eine Jagdsequenz absolvieren zu müssen, denn er warf sich hechelnd auf den Rasen, als wir zu unserem Bus zurückkehrten.

Am Abend genossen wir das schöne Gefühl, mit müden Beinen und Druckstellen vom Rucksack, frisch gewaschen und wohlgenährt im Bus zu liegen. Mojo machte keine Faxen mehr und schlief wie ein Stein. Es ist wirklich schön, können wir zu dritt wieder solche Touren unternehmen. Noch vor wenigen Monaten hätten wir das für kaum möglich gehalten.


Die Grenzerfahrungen im Långfjället fielen also sehr positiv aus. Wir respektierten die geographische Grenze, indem wir auf schwedischem Boden blieben. Ein Warnschild zeigte uns beim Start der Tour an, dass Zelten im norwegischen Teil der Hochebene bedingt durch COVID-19 untersagt ist. Schade für alle Norweger, denn in Anbetracht der unendlichen Weite scheint die Ansteckungsgefahr doch eher gering.

Zudem haben wir dank der Tour gemerkt, dass wir alle noch nicht an unsere Belastungsgrenzen gestossen sind. Das macht Lust auf mehr!