Die grösste Insel der Hebriden ist aus südlicher Richtung vom Festland her relativ leicht zu erreichen. Nur kurz dauert die Überfahrt per Fähre – länger könnte man unter Umständen warten, bis man auf eine Fähre rollen darf. Nämlich dann, wenn man nicht vorbucht – so wie wir. Spontan fuhren wir auf dem Platz vor dem Fährbüro in Mallaig vor und kauften uns ein „Stand-by Ticket“. Entspannt warteten wir mal ab, ob uns das nächste Schiff mitnehmen würde. Falls nicht, würden wir im Ort nach einem „Chippy“ Ausschau halten und uns vor der Überfahrt eine Portion Fish & Chips einverleiben. Und sonst halt danach.

Als alle wartenden Autos auf der kleinen Fähre verstaut waren, berieten sich die drei Männer des Einweisungstrupps kurz und befanden schliesslich, dass unser Bus schon auch noch irgendwie Platz haben würde. Zentimetergenau wurden wir zuhinterst noch schräg platziert, mit der Stossstange nur ganz knapp hinter einem glänzenden Oldtimer-Cabriolet. Dessen Besitzerpaar befürchtete Kratzer und war not amused ob der Idee, uns noch mitzunehmen. Es klappte jedoch alles prima und wir fuhren an Land direkt zur nächsten Imbissbude – das Cabrio fadengerade in die nächste Regenfront.


Regenzellen überquerten die Isle of Skye während unserem Besuch praktisch ständig. Zudem blies ein kräftiger Wind, welcher uns zwar ab und zu ziemlich zu schaffen machte, dafür aber die Regenzellen auch zügig vorwärtstrieb. So dauerte der Regen häufig nur kurz und wir versuchten, Mojo jeweils in diesen Phasen zu „verlüften“. Komplett nass ist er bei Starkregen jeweils innert Sekunden. Trocknen dauert länger und läuft in verschienenen Stufen ab, je nach Verschmutzungs- und Durchnässungsgrad. Immer besonders eindrücklich ist der Duft, der im Bus entsteht, wenn in diesem Prozess noch die Heizung läuft und das „Eau de chien“ in der warmen Luft so richtig zur Geltung kommt.

Zwei Nächte verbrachten wir in einem abgelegenen Winkel im Süden der Insel. Der Wind blies in diesen Tagen so stark, dass man sich richtiggehend schräg dagegen stemmen konnte. Die ersten Gipfel des Cuillins-Gebirges erhoben sich neben uns. Diese dunklen Formationen waren spärlich bekleidet, auf den ausgesetzten Flanken wächst nur robustes Gras und Gebüsch. Der Wind hielt uns permanent die Kriebelmücken vom Leib und der fehlende Handy-Empfang machte das Tal für viele Besucher uninteressant – kurz: für uns passte es!


Nachdem wir uns zunächst nur am Fusse der Berge umherbewegt hatten, erklommen wir am Morgen unseres zweiten Inseltages einen Sattel zwischen zwei Gipfeln. Der Wind war so heftig, dass wir uns teilweise fast zu Boden werfen mussten, wenn wieder eine Böe kam. Mojo als Leichtgewicht wurde beim Aufstieg mehrmals zurückgeworfen, wenn der Wind ihn mit voller Wucht traf. Gefährlich war der Weg nie, aber definitiv war dieser Aufstieg ein Erlebnis. Bei ruhigerem Wetter hätten wir uns sicher noch einen der beiden Gipfel vorgenommen. So reichte uns aber eine kurze Pause im Schutz eines grossen Felsens, bevor wir dem Wind wieder Angriffsfläche boten und er uns bestimmt und unnachgiebig talwärts begleitete.

Das Gefühl, sich an einem so eindrücklichen und abgeschiedenen Ort mit geschlossenen Augen dem Atlantikwind entgegenzustellen, möchte man am liebsten konservieren und bei Bedarf aus dem Hosensack zaubern können. Wir fühlten uns jedenfalls dort oben wunderbar lebendig und energiegeladen. Spontan zählten wir bis drei und schrien dem mächtigen Sturmwind unseren kräftigsten Urschrei entgegen! Resultat: Sturm unbeeindruckt – Mojo verwirrt – wir hustend, aber mit einem breiten Grinsen im Gesicht.


Die folgende Nacht war heftig. Obschon wir einigermassen geschützt hinter einer Anhöhe standen, wurde unser Bus immer wieder mit einer Kraft traktiert, die uns nicht an Schlaf denken liess. Nur Mojo schien dies überhaupt nicht zu stören, er pennte tief und fest. Hiker, die in der Wiese nebenan ihr Zelt aufgeschlagen hatten, flüchteten in den Schutz eines kleinen WC-Häuschens und verbrachten wohl auch nicht die erholsamste Nacht ihres Trips.


In der Folge besserte sich das Wetter deutlich und wir durften einige tolle Wanderungen in eindrücklicher Landschaft geniessen, so zum Beispiel bei den Felsen von Quiraing im Norden der Insel. Innert Minuten schlug das Wetter jeweils um. Nebel, Sonne, Regen wechselten sich in rascher Folge ab und wir wurden mehrmals geduscht und wieder getrocknet. Was wir dafür zu sehen bekamen, wenn gerade kein Nebel die Aussicht versperrte, entschädigte uns jedoch mehr als genug für diese Wetterkapriolen. Die schroffen Berge, geschmückt mit saftig grünen Wiesen, die richtiggehend leuchteten, dort wo die Sonnenstrahlen sie trafen. Wir fühlten uns fast wie auf den Lofoten.

Ebenfalls wie auf den Lofoten konnten wir vom Grat des Quiraing-Gebirges viele weisse Wohnmobile beobachten, denn dieses schöne Gebiet zieht viele Besucher an – uns ja schliesslich auch. Wieso man jedoch mit grossen Autos unbedingt jedes noch so kleine Strässchen befahren muss, ist uns nicht ganz klar. Ein Schotte erklärte uns, dass dies in den letzten Jahren zunehmend zum Problem geworden sei. Denn viele der kleinen Ortschaften sind nur durch schmale Strassen verbunden, auf denen man nur an sogenannten „Passing places“ kreuzen kann. Durch die immer zahlreicheren und breiteren Fahrzeuge ergeben sich dann oftmals Situationen, wo gar nichts mehr geht. Sobald auf einem Abschnitt zu viele Fahrzeuge aufeinander treffen, und die „Neuankömmlinge“ schon so weit vorgefahren sind, dass es einen Rückstau gibt, dann dauert es länger. Steckt in einem grossen Auto dann noch ein unsicherer Fahrer, ist das Chaos perfekt. Tja, wir Touris…

Genau so einen Stau sahen wir von oben auf dem Berg unten auf dem engen und kurvigen Tal-Strässchen – von der Entstehung bis zur Auflösung – ein lustiges Schauspiel während unserem Picknick. Froh, nicht involviert zu sein, nippten wir am Tee und knabberten am Apfelschnitz. Wie wird es wohl während der Hochsaison sein, wenn sich das Chaos der kleinen Spielzeugautos schon jetzt nur so mühsam auflösen lässt?


Zum Abschluss unserer Runde auf der Isle of Skye besuchten wir den verlassenen Leuchtturm am Neist Point, dem westlichsten Zipfel der Insel. Zwar leuchtet der Turm noch, er tut dies jedoch mittlerweile voll automatisch und es ist kein Personal mehr zugegen. Dafür viele Schafe. Dramatisch thront das Gebäude des Leuchtturms auf der Klippe – definitiv ein spektakulärer Anblick! Auf vielen kleinen Wegen lässt sich die Umgebung erkunden und praktisch aus allen Winkeln ist der Leuchtturm höchst fotogen. Die Felsen versinken steil im dunklen Meer und hoffnungsvoll suchten wir die Wasseroberfläche nach auftauchenden Walen oder Delfinen ab. Auch der bis zu 10 Meter lange Walhai soll sich öfters hier blicken lassen. Leider krönte kein Auftritt dieser geheimnisvollen Meeresbewohner unseren Besuch – oder sie tauchten extra immer nur dann auf, wenn wir gerade blinzelten, wer weiss?


Die Nacht war wiederum ziemlich windig. Wir entschlossen uns, Mojos massive Hundebox für einmal nicht neben dem Auto stehen zu lassen, um den nächsten Tag nicht mit einer Klettertour an den Fuss der nahen Felswand beginnen zu müssen. Wobei sich Mojo wohl insgeheim wünscht, die doofe Box endlich loszuwerden. Dann könnte er ja ebenfalls auf dem Beifahrersitz platznehmen und mit uns „auf Augenhöhe“ reisen? Denn wieso Mensch oder Hund? Die Grenzen sind bei uns nämlich nicht immer ganz klar…

Menschlicher Hund? Hundlicher Mensch?

Die Wetterprognose für die kommende Woche war etwas gar unvorteilhaft. Deshalb entschlossen wir uns, einen Wechsel an die Ostküste Schottlands zu vollziehen. Vor Aufbruch spürte Rebi noch ein kleines Café in der Nähe des Leuchtturms auf, wo wir bei einem wärmenden Kaminfeuer wunderbar einkehrten und uns für die Weiterreise stärkten.