Der grosse Andrang am Fähren-Terminal in Bodø war ein erstes Anzeichen für die Beliebtheit der Lofoten bei den Norwegen-Touristen. Wie beliebt diese Inseln wirklich sind, realisierten wir aber erst so richtig vor Ort.

Die Überfahrt war sehr angenehm. Da wir eine Abend-Fähre erwischten, gingen wir das erste Mal auf unserer Reise „auswärts“ essen. Von Hamburger und Pommes Frites an Bord einer Fähre erwarteten wir nicht allzu viel – wurden aber angenehm überrascht: es war köstlich! Wir beobachteten die spektakulären, steil aus dem Meer aufragenden Umrisse der Inseln, die sich immer grösser und klarer durch die grossen Fährenfenster abzeichneten. Viele der mit uns Reisenden zeigten während der Annäherung des Schiffes an die magischen Inseln deutliche Symptome der weit verbreiteten „Lofotitis“. Schon jetzt wurden Selfies geschossen und erste Posts auf die sozialen Medien geladen. #ferrytime!! Kaum durfte man wieder hinunter zu den Autos steigen, herrschte allgemein grosse Aufgeregtheit und Vorfreude bei den Passagieren. Wir liessen den Eiligsten unter ihnen gerne den Vortritt und rollten als letztes Fahrzeug von der Fähre.

Ankunft in Moskenes: Spektakulär, die hübschen Fischerhäuschen, welche sich dort, so weit draussen im Meer, auf den kleinen bewohnbaren Flächen an die Füsse der Felsriesen schmiegen. Ein gewaltiger Anblick und definitiv sehenswert.

Dem Auge weniger schmeichelnd jedoch die unzähligen Fahrzeuge, welche auf jedem auch nur halbwegs geeigneten Quadratmeter dicht an dicht stehen, auch auf Plätzen, wo das Übernachten untersagt ist. Das Archipel der Lofoteninseln wird dünner, je weiter es sich von der Küste ins Meer entfernt. Fast am äussersten Zipfel kommt die Hauptfähre an, welche auch uns beförderte. Viele Touristen sammeln sich dort nach Ankunft oder vor Abfahrt am nächsten Tag. Ein solcher Stau hier ist also erklär- und nachvollziehbar. Nicht nachvollziehbar für uns ist jedoch, dass man teilweise die Gastfreundschaft des Norwegischen „Jedermannsrechts“ als Freipass für solch egoistisches Verhalten interpretiert.

Später erfuhren wir, dass diese und letzte Saison die Besucherzahlen schlechter waren als üblicherweise. Für uns kaum vorstellbar, dass es noch dicht gedrängter geht… Sollten wir irgendwann nochmal auf die Lofoten reisen, würden wir dies definitiv nicht mehr in der Hauptsaison tun.


Trotz diesen Nebengeräuschen genossen wir die unglaublich eindrücklichen Landschaftsbilder. Wir erwischten wirklich drei Tage absolutes Topwetter und wanderten, bis uns die Füsse schmerzten. Wir genossen es, endlich wieder richtig bergauf gehen zu können und Mojos Fitness war schon wieder ziemlich beeindruckend. Vor ziemlich genau einem Jahr war sein Bein dick eingebunden und mehr als ein paar humpelnde Schritte im Garten lagen nicht drin. Jetzt bewältigt er auch fast 1000 Höhenmeter mit bravour und posiert noch auf dem Gipfel locker-lässig für’s Foto.

#whataday#lofoten#amazingswissmountaindog

Mojo präsentierte sich so fotogen, dass auch andere Gipfelstürmer ihre Handys zückten. Zwei norwegischen Schwestern versüssten wir den Tag mit einem Foto zusammen mit ihm. Sie erzählten uns, dass sie – wie viele andere Einheimische – durch die Corona-Situation einen Trip auf die Lofoten unternommen hätten und hier schon viele Bekannte aus ihrer Heimatstadt Stavanger getroffen hätten.

Übrigens hier die aktuellen Wanderoutfits der Norweger/-innen: Man trägt leichte Salomonschuhe, zeigt allgemein viel Haut und wandert ohne Stöcke, dafür mit Getränk und Snack im Gurt, den man vom Langlaufen eh schon zuhause hat. Die Augen zieren verspiegelte Sonnenbrillen, die möchlichst gut abdecken. Oben ohne (respektive bauchfrei) ist ein Muss, sobald auch nur ein Sonnenstrahl auf die Haut scheinen könnte. Bei Frauen stehen Wander-Leggins sehr hoch im Kurs. Mal schauen, ob wir den Trend in die Heimat importieren werden…


Obschon die Inselgruppe der Lofoten recht gross ist, sind nur wenige Gebiete gut erreichbar. Die Strasse E10 – auch Lofoten-Highway genannt – verbindet als einzige grössere Strasse die Inseln miteinander. Einige wenige Nebenstrassen gibt es zwar, doch auch diese sind relativ stark befahren. Obschon viele der Gipfel „anmächelig“ aussehen, gibt es nur auf wenige von ihnen gut ausgetretene Pfade. Wir verzichteten auf Wagnisse und blieben auf diesen Routen, weshalb wir bei zwei von drei Touren auch etliche Mitwanderer hatten. Ein so gutes und abwechslungsreiches Wandernetz wie in der Schweiz würde die Lofoten definitiv zu einem richtigen Wanderparadies machen.




Wir sind froh, haben wir den Abstecher auf diese Inseln gemacht. Die Landschaft ist unwirklich, fast kitschig. Lummerland mit mehr als einem Berg. Teilweise auch wie Mordor aus Herr der Ringe. Man kann sich fast nicht daran sattsehen und wir erahnen nur, wie toll diese Berge in einem schönen Herbstlicht oder mit Schnee bedeckt aussehen mögen…

Für den weiteren Verlauf unserer Reise werden wir auf jeden Fall aber wieder ruhigere Gegenden ansteuern.