Über eine abenteuerlich angelegte Pass-Strasse – unser Respekt gebührt allen Rennvelofahrern, die sich darauf vergnügen – verliessen wir den Norden Italiens, passierten einen unauffälligen Grenzübergang und fanden uns nach vielen Kurven und heissen Bremsen im kleinen Örtchen Žaga wieder. Slowenien begrüsste uns ruhig und unaufgeregt. Von unserem „Einstiegsort“ fuhren wir das Soča-Tal aufwärts, bis zu einem sehr gut gelegenen, naturnahen und fast leeren Campingplatz.


Nach zwei Nächten verliessen wir das Tal wieder und landeten in der kleinen Stadt Idrija, welche uns aus der Nähe nicht so verzückte, dann aber aus etwas grösserer Distanz umso mehr. Wenige Minuten Fahrt und ein paar Höhenmeter später durften wir unser Auto für die Nacht auf dem Vorplatz eines (oder vielleicht des?) lokalen Touristenguides parkieren. Er war zwar nicht zu Hause, aber seine Frau hiess uns freundlich willkommen.

Während wir zuvor in den Gassen des Ortes – in denen sich die Häuser irgendwie fast etwas zu eng aneinander schmiegen – keine wirklich einladenden Plätzchen auffinden konnten, hatten wir jetzt eine wunderschöne Aussicht über Idrija. Bei Tag sah es fast so aus, als wäre es dem Ort in dem engen Tal irgendwie nicht so ganz bequem. Hundegebell, Baulärm, Autohupen. Als nach einem schönen Abendrot sich dann die Nacht über sie legte, wahr ihr wohler. Sie fand ihre Schlafposition und war nunmehr friedlich anzuschauen, und wir hatten den besten Platz dafür.


Am Morgen dann war sie verschwunden. Abgehauen im dicken Herbstnebel? Wegen uns? Die bekannte Geräuschkulisse beruhigte uns aber und wir wussten, dass Idrija noch da war. Wir waren beruhigt und konnten uns unbeschwert von unserer Gastgeberin verabschieden.

Slowenien ist klein. Ohne zu juflen fuhren wir über kleine Strassen durch ländliche Idylle und waren nach nicht mal zwei Stunden Fahrt in Novo Mesto, einem grösseren Ort in Sloweniens Süden. Unweit des Stadtzentrums konnten wir unser Auto für die Nacht parken und begaben uns zu Fuss auf Erkundungstour.

Wir betraten das Städtchen über eine Brücke, welche über den Fluss Krka führt, und flanierten den einladenden, kleinen Hauptplatz hoch. Einheimische genossen einen der wohl letzten warmen Herbstnachmittage und sassen an den Aussentischen der Bistrots beisammen, es roch nach Marroni. Wie auch in Idrija waren die Bauarbeiter emsig und die Baustellen zahlreich, was eine interessante, wenn auch nicht optimale Geräuschkulisse für unseren Besuch in Novo Mesto bedeutete.


Den „perfekten“ Sound drehte uns dann etwas weiter eine junge Frau an. Wer weiss, vielleicht kommt dem einen oder anderen die folgende Anekdote bekannt vor:

„Do you speak English? Do you like Rock Music?“

Da wir beides nicht wirklich verneinen konnten, fanden wir uns im Gespräch mit einer jungen Frau wieder, welche als Freundin des Managers einer Rockband aus Estland auf der Strasse die Musik der Band verkauft. Leider können sie momentan keine Konzerte spielen.

So ein Zufall! Letztes Jahr haben wir in Interlaken schon ein Mitglied dieser Band auf der Strasse getroffen. Wir hatten jedoch damals kein Bargeld dabei und haben nichts gekauft. Wir erstanden also jetzt eine CD und waren gespannt auf die darauf gespeicherten Klänge.

Kurz nach dem Kauf schraubten wir unsere Erwartungen an die Musik nach einer kurzen Recherche zum Bandnamen „California Condor“ massiv herunter. Wir waren auf die Masche hereingefallen. Die Chance, wieder einmal irgendwo auf ein „Bandmitglied“ zu stossen ist gross, denn sie ist wohl an vielen Orten gleichzeitig „on tour“.

Wir beschlossen, auf der nächsten Fahrt dennoch reinzuhören. Dies taten wir auch, aber nur geschätzte 30 Sekunden. Der Sound erinnerte uns stark an den Baulärm in Novo Mesto. Im Gegensatz zur Band „California Condor“ spielen die Bauarbeiter jedoch auch live.

Etwas frusturiert wechselten wir zurück zu den positiveren Klängen der Kastelruther Spatzen.

Die paar unötig ausgegebenen Euros schmerzten weniger als unsere Ohren und als die Tatsache, dass wir verarscht wurden. Schade. Wir können diese Band leider niemandem weiterempfehlen.