Auf dem Weg von der Südküste hinauf in das Landesinnere Englands gelangten wir in die Region der Cotswolds. Hier herrscht – zumindest bei Sommerwetter – eine Stimmung, bei der man sich gerne in ein Oldtimer-Cabriolet setzen und mit maximal 50km/h über die schmalen Landsträsschen rollen würde, die sich durch dieses „Herz Englands“ schlängeln. Aber auch im Nyumbani genossen wir es, uns durch diese Gegend zu bewegen. Sattes Grün in Wiesen und Wäldern, leuchtende Blumen, Schafe und Kühe in grosszügigen Feldern, Hügel und kleine Täler, und immer mal wieder ein hübscher Ort.

Da „Wildcampen“ in England grundsätzlich nicht explizit erlaubt ist, suchten wir uns meist einen Platz auf einem Camping oder machten einen Stopover auf dem Parkplatz eines Pubs. Diese Art des Übernachtens ist oft sehr unkompliziert. Meist „zahlt“ man, indem man sich im Pub etwas zu essen oder trinken gönnt und erhält im Gegenzug einen legalen Stellplatz, meist ohne weitere Annehmlichkeiten, dafür mit einem kurzen Weg vom Barhocker zum Schlafplatz. Bekanntermassen wird in England sehr gerne mal ein Gläschen (über den Durst) getrunken, deshalb ist dieses Übernachtungsangebot auch ziemlich populär.

Auf einem einfachen Camping mitten in den Cotswolds stellten wir unser Mobil auf eine grosse Wiese. Hierfür musste wegen uns ein spontanes Cricket-Spiel unterbrochen werden, was uns aber offennbar niemand übel nahm. Im Gegenteil – kaum ausgestiegen, wurden wir freundlich begrüsst und bald darauf in die Runde integriert. Es schienen alle aus der Gegend zu sein und man kannte sich offenbar. Gegenseitig wurden die Vans und Caravans inspiziert und alle freuten sich ob dem grandiosen Wetter. Rasch erfuhren wir den Grund für die allgemeine Ausgelassenheit: Das „Queen’s Jubilee“ stand vor der Türe. Die unermüdliche Dame amtet schon seit 70 Jahren (Input Rebi: atmen tut sie sogar schon 96 Jahre!) und ihr zu Ehren beschloss die Regierung ein sogenanntes „Bank holiday“, also ein verlängertes Wochenende. Nicht alle Briten sind Fans ihrer Royals, aber wie wohl überall auf der Welt werden auch von ihnen Freitage bereitwillig akzeptiert. Kombiniert mit Wetterglück und der Erleichterung über ausbleibende Pandemie-Restriktionen ergab dies einfach eine entspannte Stimmung auf dem Campingplatz, was uns in keiner Weise störte.

Wir machten nette Bekanntschaft mit einer (in mehrere Camps) verteilten Familie aus der Region. Durch sie erhielten wir Antworten auf einige wichtige Fragen zum Leben in England. So lernten wir beispielsweise, wie die leckeren Scones zu essen sind. Obschon offenbar im Land eine hitzige Debatte über die Reihenfolge der Beschichtung herrscht, war hier die Meinung eindeutig: Zuerst Jam (und zwar NUR Strawberry!), dann Cream (vorzugsweise „clogged“, also fast schon Anke). Dieses Thema scheint für die Engländer fast noch emotionaler zu sein als das Königshaus!

Wir durften in der Folge die Familie von Phil und Hayley noch in ihrem kleinen Dörfchen besuchen und gemeinsam kehrten wir noch ein (nein, nicht im Pub). Sie wollten wohl sicherstellen, dass wir unsere wichtige Lektion gelernt hatten. Die Scones waren herrlich. Cream Tea we like!


Weiter führte uns der Weg nördlich durch weitere herausgeputzte Örtchen. Überall war der Rasen ordentlich gepflegt, es hingen Union-Jack-Flaggen und Fähnchen an den Häusern und es kam uns der Gedanke, dass vielleicht die Queen irgendwo im Land eine unangekündigte Inspektion durchführen würde. Wehe, wenn das Eigenheim dann nicht glänzt und strahlt!

„Have you o schön usepützerlet, sweetheart?!“