Im Nachhinein war ein kleiner Fleck an der Küste der Ort, an dem es uns in Kroatien auf dieser Reise am besten gefallen hatte. Wo wir die aktuelle Befindlichkeit der am Touristenstrom verdienenden Einheimischen am authentischsten zu spüren glaubten. Wo längst nicht alles perfekt war – zum Glück nicht!

Wer schon mal der kroatischen Adriaküste entlang gefahren ist, der kennt sie – die unzähligen Autokamp-Schilder am Strassenrand. Gefühlt alle 20 Meter könnte man teilweise abbiegen und einer dieser Tafeln folgen. Einige sind gross und mit Bildern verziert, andere schlicht und vom Design her schon fast sympathisch schlecht. Es wird schnell klar, dass mit der Sehnsucht nach Sonne + Meer hier jährlich viel Umsatz generiert wird. Einige dieser Autokamps sind toll gemacht, andere jedoch auch fast grotesk heruntergekommen und oft sieht man den Platz von der Strasse her nicht, sondern muss dem Schild zuerst ein Stück weit zwischen den Häusern hindurch folgen. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs hatte der Grossteil der Anlagen den Betrieb schon eingestellt.

Spontan hielten wir bei einem kleinen Autokamp, das uns beim Heranfahren schon seine einladende Fläche zeigte, wo man unter Olivenbäumen parkieren konnte. Wir hatten Glück, der Platz war noch offen und wir durften uns aussuchen, an welchem Fleck wir stehen wollten. Es gefiel uns sofort sehr gut. Im einzigen Haus auf dem Grundstück wohnt die grosse Eigentümerfamilie. Im selben Gebäude befindet sich ein von letzterer geführtes kleines Restaurant (leider schon zu) und ebenfalls die einfachen, zweckmässigen sanitären Einrichtungen für die Campinggäste. Diese Nähe führte dazu, dass man zwangsläufig mitbekam, was auf dem Grundstück so los war. So amüsierte sich die Familie, als sich die beiden Bleichgesichter aus der Schweiz in die Fluten des kalten Mittelmeeres wagten und nach wenigen Sekunden mit Grimassen im Gesicht und Seeigel-Stacheln im Fuss wieder empor stiegen.

Es war eine anstrengende Saison. Wie viele Kroaten, mit denen wir darüber sprachen, hatte auch diese Familie seit Mai „full house“ und es war permanent Hochbetrieb auf dem Platz. Jetzt genossen sie sichtlich, dass der Touristenandrang vorbei war, sie das Restaurant schliessen und sich nun ihren Olivenbäumen widmen konnten. Zu diesem Anlass fanden auch entfernt wohnende Familienmitglieder den Weg an die Küste und alle halfen mit bei der Handernte. Sogar die lederbraune Grossmutter stand ab und zu auf einer Leiter, sass jedoch meistens auf dem besten Sonnenbänkli und sortierte mit Blick aufs Meer die schlechten Oliven aus.


In einem grossen Fass wurden die Oliven in Wasser eingelegt, um sie von Insekten und Bitterstoffen zu befreien. Tauchte man seine Hände hinein und wühlte ein bisschen darin herum, stieg einem sofort ein herrlicher Olivenduft in die Nase und die Haut fühlte sich vom Fett angenehm geschmeidig an.

Mojo beobachtete wieder einmal genau und begann – wie unlängst in Skandinavien mit den Blaubeeren – selber zu sammeln. Er fing an, heruntergefallene Oliven zu kauen, was wir nicht so eine gute Idee fanden. Denn er wollte nicht aufhören und es lagen doch ziemlich viele Oliven herum. Die Vorstellung von einem prall mit Olivensteinen gefüllten Hund tönt amüsant, aber nur wenn es nicht der eigene ist.

Etwas unfreiwillig sammelten wir später gemeinsam etwas anderes ein: Tiere. Über einen Feldweg flanierten wir ins nahe gelegende „Dorf“, das wenige Kilometer entfernt lag und in dem nichts los war. Als wir einem frei laufenden Hund begegneten, kehrten wir um. Der Hund folgte uns in sicherem Abstand. Plötzlich stand ein Esel vor uns, der uns ebenfalls nachtrottete. Kurz darauf wuchs unsere Truppe noch weiter an, denn ein Junghund gesellte sich ebenfalls noch dazu. Wir befürchteten schon, Katze und Hahn könnten ebenfalls noch folgen und beschleunigten unsere Schritte. Bald gaben Esel und Junghund auf, doch der erste Hund schien gerade noch etwas Zeit zu haben und wollte noch nicht zurück. Er folgte unserer Spur bis zu unserem Stellplatz. Wir verfrachteten Mojo ins Auto, denn sein Geruch hatte den anderen Hund ja schliesslich angelockt.

Weiter vorne auf dem Platz hauste eine Frau in einem Caravan mit zwei grossen Hunden im Vorzelt. Unser Besucher suchte Artgenossen und so hatte ihn die Engländerin bald an der Backe. Wir beobachteten, wie sie den freundlichen, aber ziemlich aufdringlichen Streuner auch nicht loswurde und brachten es nicht übers Herz, sie mit dem Problem alleine zu lassen. Gemeinsam versuchten wir herauszufinden, ob die Einheimischen wussten, wohin der Hund wohl gehört – erfolglos. Er trottete noch eine Weile auf dem Gelände umher, bevor er dann doch ging – wohin auch immer.

Obwohl ausser den oben erwähnten Anekdoten nicht wirklich etwas los war, gefiel uns die Stimmung einfach, die wir an diesem Ort vorfanden. Das Meer zwar schon etwas gar frisch, die Sonne aber noch angenehm wärmend, dazu der Mittelmeerduft in der Luft. Kaum Verkehr auf der Küstenstrasse und die Kroaten müde, aber zufrieden. Hier liess es sich prima verweilen!