Da in England und Wales die Sommerferien bald beginnen würden, haben wir mal die Preise für die Überfahrt nach Frankreich ins Visier genommen und uns für eine Überfahrt vor Ferienbeginn entschieden – ein weiser Schachzug, wie sich herausstellen sollte!

Es blieb nach unserem Abstecher zu den Munros in Schottland noch genügend Zeit für einen Abstecher nach Wales. Dieses Land war eigentlich gar nicht auf unserer Liste gewesen, doch hatten uns unterwegs mehrmals Leute auf dessen Schönheit hingewiesen. Also, nichts wie hin!

Im Norden des Landes überquerten wir die Grenze und der „Empfang“ liess nichts zu wünschen übrig: Für unseren ersten Stop hatte Rebi uns ein Feld ausgesucht, wo man für ein paar wenige Pounds die Nacht verbringen darf. Wildcampen ist hier, wie auch in England, eher schwierig und höchstens toleriert, aber nicht offiziell erlaubt.

Als wir anhielten, um das Eingangstor zu öffnen, hüpfte eine aufgestellte Frau von einem nahen Zelt heran und nahm uns die Arbeit ab. Dankend fuhren wir herein und kurz nachdem wir das Auto auf der Wiese platziert hatten, näherte sich ein Mann mit herrlich duftenden Lammwürstchen auf einem Pappteller. Ob der Hund eventuell etwas zu essen brauche? Sie hätten sowieso zu viel und wollten kein Essen wegwerfen. Da Mojo leider nichts vom Grill erhält, durfte sich Nils glücklich schätzen und fiel gierig über den Teller her. Jaja, was so ein Hungerästchen bewirken kann…

Auf jeden Fall begrüsste uns das neue Land äusserst freundlich und wir können vorwegnehmen, dass danach eineinhalb tolle Wochen folgten.

Bei prächtigem Wetter konnten wir grosse Tagestouren im Snowdonia-Nationalpark unternehmen. Uns blieb mehrmals der Atem weg und dies nicht nur nach knackigen Aufstiegen. So nah an der Küste finden sich hier wunderschöne Berglandschaften mit erfrischenden Bergseen. Und es fühlte sich richtig gut an, mal wieder ein steiles Couloir hinaufzuklettern oder über ein kleines Zickzack-Wegli schnell viele Höhenmeter hinunter zu steigen. Die Schottischen Munros hatten diesbezüglich halt schon nicht so viel zu bieten. Und diese schönen Touren in Wales befeuerten auf jeden Fall unsere Vorfreude auf die Schweizer Bergwelt.


Im Anschluss folgten wir der Küste südwärts und waren froh um die etwas frischere Meeresluft so nah am Wasser, denn Südengland und Wales wurden von warmer Luft aus Spanien aufgewärmt. Noch fühlte sich der Sommer gut an, aber die Wettermenschen auf BBC erklärten in jeder Folge, dass es ungemütlich werden wird, sobald die Hitzewelle voll da sein würde.

In New Quay setzten wir uns mit Fish & Chips auf eine Mauer im Hafen und beobachteten das muntere Treiben. Büezer sprangen freudig zwischen den vertauten Booten ins Hafenbecken, froh endlich aus dem Arbeitstenue raus zu sein. Einer warf sich sogar in voller Kluft hinein. Von kleinen Booten torkelten Touristen über das Hafengelände, landkrank aber glücklich nach dem Sichten der Delfine. Coole Daddys liessen mit ihren Kids kleine Netze an Angelschnüren ins Wasser hinunter (oder alleine, wenn die Kids kein Interesse hatten oder nicht vorhanden waren). „Crabbing“ ist eine beliebte Freizeitbeschäftigung und regelmässig landeten die kleinen Krabben in den Netzen. Von kreischenden Kindern wurden sie dann aus dem Netz in einen mit Wasser gefüllten Eimer transferiert und die Jagd ging von neuem los. Bester Köder übrigens: Speck.


Wunderschön präsentierte sich uns dann die Walisische Küste im Abendlicht, als wir zurück zu unserem Auto wanderten. Wir hatten Wales in einem fantastischen Wetterfenster besuchen können. Angereichert mit interessanten Begegnungen mit den Walisern, schätzten wir uns glücklich, unsere Reise durch Grossbritannien so stimmig beenden zu können. Der Tourismus scheint in Wales vielerorts sehr sanft zu sein und allgemein fühlten wir eine entspannte und unaufgeregte Atmosphäre. Für uns ist dieses eher unscheinbare Land eine grosse Entdeckung und wir möchten gerne wieder mal zurückkommen – irgendwann…


Nun standen uns aber noch die Tage mit Rekordtemperaturen bevor. Während es im fahrenden Auto dank der Klimaanlage unproblematisch war, erschlugen uns die Temperaturen von fast 40 Grad jeweils fast, sobald wir nicht mehr unterwegs waren. Glücklicherweise konnten wir uns aussuchen, wann wir wohin unterwegs waren. So fanden wir kurz vor der Grenze zu England einen Camping, wo wir uns in regelmässigen Abständen im angrenzenden Fluss abkühlen konnten. In Südengland jedoch war die Suche nach einem geeigneten Plätzchen deutlich schwieriger. Am gefühlt einzigen See in der Gegend durften wir Mojo nicht zum Wasser nehmen und auf dem Parkplatz rangierte eine offensichtlich ziemlich verladene Frau ihr Auto in andere Autos – nicht der anmächelichste Platz für uns. Wir waren schliesslich bis dahin ohne Beule davongekommen und wollten im Putschautospiel der Frau nicht mitmachen.


Am Abend vor der Überfahrt – welche wir zum Glück noch auf den frühen Morgen vorverschieben konnten – erwarteten wir nahe Dover sehnsüchtig die angekündigte, kühlere Luft. Ein schönes Gewitter brachte dann in der Nacht die ersehnte, wenn auch nur minime Abkühlung und wir verbrachten eine angenehme Überfahrt zurück aufs Festland, nachdem wir relativ zügig am Fährterminal abgefertigt worden waren.

Einige Tage später starteten dann die Sommerferien der Briten und das Chaos ging los. Nicht nur waren die Preise wegen der grossen Nachfrage markant höher, auch mussten offenbar einige Menschen in Dover bis zu 20(!) Stunden warten, da die Französischen Behörden dem Ansturm der Ferienhungrigen nicht gerecht werden konnten. Seit dem Brexit werden die Briten am Checkpoint nicht mehr durchgewunken und die Abfertigung dauert länger. Da viele Briten zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie ihre Sommerferien wieder im Ausland verbringen dürfen, zeigt sich diese Überlastung bedingt durch die konsequenteren Ausweiskontrollen erstmals so krass. „Dover – Hotspot der Ferienhölle“, so die Schlagzeile. Da sind wir ja gerade nochmal davon gekommen…