Im November standen wir also wieder auf Schweizer Boden (anstatt barfuss im südeuropäischen Sand) und taten dies mit etwas gemischten Gefühlen. Wir hatten uns darauf eingestellt, einen Winter zu „verpassen“. Nun spürten wir mit kaltem Wind und eisigem Regen schon die ersten Vorboten des schweizerischen Winters. Ernüchternd.

Unsere erste Nacht diesseits der Grenze verbrachten wir auf einem Stellplatz im Jura, mit Sicht auf ein Ortsschild im eigenössischen Format. Noch nicht lang war es her, als wir mit Freude die ersten andersartigen Tafeln erspähten – für uns immer wieder ein spezieller Moment, in welchem eine Reise irgendwie konkret wird und einem ein vorfreudiges Grinsen aufs Gesicht zaubert.

Neben uns Basler und Berner, Aargauer und St. Galler. Vertraute Sprache, wenig Platz. Wir grüssten zwar freundlich, grinsten aber nicht.

Rebi und Mojo nur mässig amused

An diesem Abend der Rückkehr hatten wir noch keinen blassen Schimmer, wie unser Leben in dieser Zwischenphase aussehen würde. Das ist jetzt ungefähr vier Monate her und so ist es uns in dieser Zeit ergangen:

Zunächst fanden wir in Zweisimmen Unterschlupf bei einem uns gut gesinnten Paar, welches wir unter anderem schon im Wallis auf dem Camping in La Fouly angetroffen hatten. In dieser altersdurchmischten WG konnten wir uns sammeln und die nächsten Schritte aufgleisen.

Wir entschlossen uns, im Raum Bern nach Arbeitsmöglichkeiten Ausschau zu halten, um unser Reisebudget möglichst ruhen lassen zu können. Für uns stand nie zur Diskussion, die Reise mit der jetzigen Heimkehr zu beenden.

Rebi nahm Ende November eine Stelle als Stellvertretung in Fraubrunnen an und Nils im Dezember als Fahrer bei einem Transportunternehmen für behinderte Personen. Im Januar fand auch er zurück in seinen angestammten Beruf und Rebi vermittelte ihr Wissen an einer anderen Schule im Gürbetal.


In dieser Zeit versuchen wir bewusst, keine längeren Verpflichtungen einzugehen. Möglichkeiten und Angebote wären da, und für uns ist die Erkenntnis wertvoll, dass ein Zurückkommen und Wiedereinsteigen in der Schweiz für uns jederzeit gut möglich ist. Es war für uns definitiv ein grösserer Kraftakt, uns vor der (ersten) Abreise von allem loszulösen, als nach der Rückkehr wieder Fuss zu fassen.

Wir sind uns bewusst, dass unsere temporäre Wiedereingliederung auch durch grossen Support aus unserem Umfeld so gut geklappt hat. Dennoch merkten wir, dass sich durch positive Gedanken, Geduld und Flexibilität zwangsläufig gute Dinge ergeben – auch in diesen speziellen Zeiten!

Bis zu den Frühlingsferien im April reicht unser Zeithorizont momentan. Wir wünschen uns fest, dann wieder losfahren und ein neues Kapitel aufschlagen zu können.

Auch wenn wir in der Schweiz sind, steht unsere Reise nicht still und wir können dieser Phase auch viel Positives abgewinnen. So konnten wir beispielsweise einige Kleinigkeiten an unserem mobilen Zuhause optimieren, dieses bei tiefwinterlichen Bedingungen austesten und – für uns ganz wichtig – nach einer erneuten Röntgenkontrolle endlich das störende Metall aus Mojos Knie entfernen lassen. Zudem geniessen wir es natürlich sehr, uns nahestehende Menschen live sehen zu dürfen.


Schlussendlich sind wir sehr froh darüber, dass wir die Möglichkeit hatten, die Zeit der zweiten Welle in unserem Heimatland Schweiz zu verbringen. Im Vergleich zu Einwohnern in anderen Ländern durften wir uns hier stets frei bewegen. Dieses Privileg hat uns seit der Rückkehr etliche tolle Erlebnisse ermöglicht.