Am Tag vor unserem Abschlussfest vertrat sich Mojo beim Spielen in der Wiese sein rechtes Hinterbein. Nach einigen Tagen stellte er das Bein zwar vermehrt ab, konnte aber nicht richtig Gewicht draufgeben. Nach einigen interessanten Youtube-Videos aus der Tierarztecke versuchte ich, sein Problem etwas genauer einzugrenzen, jedoch ohne klares Ergebnis. Deshalb entschieden wir uns, jemand kompetenteres anzufragen und fanden eine sehr sympathische Tierphysiotherapeutin in Münsingen. Nach ausführlicher Analyse stand der Verdacht im Raum, das vordere Kreuzband könnte gerissen sein.
Leider stellte dies auch der Tierarzt klinisch fest. Eine OP wurde uns nahegelegt.
Wie wir gelernt haben, sind die Prognosen bei einem jungen, aktiven Hund wie Mojo sehr schlecht, wenn beim Knie die Stabilität durch ein intaktes vorderes Kreuzband nicht mehr gewährleistet ist. Bei jedem Belasten des Beins Scherkräfte auftreten und die restlichen noch intakten Strukturen des Kniegelenks schnell beschädigt werden. Anders als beim Mensch können diese Bewegungen nicht genügend muskulär verhindert werden.
Somit entschieden wir uns zu dieser Operation, wenn auch nur ungern. Es sollte für Mojo in seinen viereinhalb Jahren schon die fünfte Vollnarkose sein. Zweimal wegen starken Blutungen in der Nase als Junghund, einmal für die Kastration und vor wenigen Monaten, als ihm im Wald ein Ast ein Loch in seinen Bauch stach, welches genäht werden musste.
Wir haben einen Draufgänger. Oder doch eher ein Montagsmodell? Auf jeden Fall liebt er Tempo und Action, und wir hoffen sehr, dass dies nach überstandener Reha auch wieder möglich sein wird!
Wie auch immer, Mojos Knie wurde vom Spezialisten repariert und er erholt sich in diesen Tagen langsam aber sicher von der anstrengenden Operation (Mojo, nicht der Spezialist).
Als wir Mojo abholen konnten, war er ein sabberndes Häufchen Elend und wahrhaftig kein erfreulicher Anblick – umso mehr freuen wir uns ob den kleinen Fortschritten. So haben wir zum Beispiel jubelnd applaudiert, als Mojo nach etwa 30 Stunden endlich wieder in die Wiese gepinkelt hat (und ihm die zunehmend pralle Blase nicht im Haus explodiert ist!)


Der Zwischenfall mit Mojos Kreuzband hat unsere Pläne für den Start der Reise etwas durcheinanden gewirbelt. Zwei Wochen nach der Operation sind kurze Spaziergänge an der Leine zwar wieder möglich, aus den schönen, langen Touren im Sommer wir aber wohl leider nichts…
Update 8.8.20
Rückfall…
Zweieinhalb Wochen nach der Operation eine unschöne Überraschung: Nach einigermassen gutem Heilungsverlauf bis dahin, war Mojo urplötzlich wieder auf nur drei Beinen unterwegs – ohne erkennbaren Grund.
In den folgenden Stunden wurde es nicht besser, das Bein schwoll an und wurde richtig heiss.
Am nächsten Tag war nach wenigen Minuten und einem Röntgenbild klar: An der Schwachstelle ist der operierte Schienbeinknochen gebrochen. Eine Komplikation, die eine erneute OP nötig macht…
Einen Tag später war es schon so weit und ein weiteres Mal versenkten wir Mojo in einer Narkose.
Erfreulicherweise war er im Vergleich zur ersten Operation deutlich fitter, als wir ihn abholen konnten. Der Eingriff ist erfolgreich verlaufen, das Knie sicherheitshalber mit mehr Metall als üblich wieder stabilisiert, und er pinkelte schon direkt beim Verlassen der Praxis wieder an das erstbeste Gräslein – das sind doch gute Vorzeichen für einen besseren Heilungsverlauf!
Jetzt warten wir mal ab, wie gut sich Mojo von dieser mühsamen Geschichte erholt und bleiben deshalb noch etwas länger in der Schweiz, mit so wenig Herumreisen wie möglich. Oft neue Umgebugen auszuchecken und dabei als dreibeiniger Hütehund noch ständig sein Rudel zusammen zu halten, ist sicher nicht sehr erholsam.

Update 17.8.20
Rückfall zum zweiten…
Zwei Tage nach dem erneuten Eingriff entfernten wir in der Tierarztpraxis den dicken Verband. Das Bein hatte sich recht gut erholt, jedoch tauchte ein neues Problem auf: Mojos Kniescheibe glitt sehr leicht aus der Führung und sprang nach aussen raus. Wir entschieden uns, mal abzuwarten und zu beobachten, wie Mojo damit umgehen würde.
Schon am nächsten Tag war uns klar, dass wir es hier mit einem grösseren Problem zu tun hatten. Die Kniescheibe luxierte immer wieder und renkte sich nur mit manueller Hilfe von uns wieder ein. Mojo war sichtbar verunsichert, erschrak bei jedem Rausspringen der Patella und konnte Blase und Darm kaum entleeren, da es ihm so oft eins ins Knie zwickte.
Also fuhren wir erneut in die Praxis, liessen das Bein wieder durch einen dicken Verband stabilisieren und waren ziemlich geknickt. Wir wussten nicht, wie die ganze Geschichte weitergehen würde und realisierten, dass so eine unbeschwerte Reise unmöglich zu Stande kommen konnte.
Nach ausführlicher Besprechung mit dem Tierarzt entschieden wir uns zu einer erneuten Operation. Das abgebrochene Knochenstück, an dem die Patellasehne angewachsen ist, musste erneut abgelöst werden und um wenige Millimeter nach innen versetzt werden. So würde die Biomechanik des Knies wieder korrekt hergestellt und die Kniescheibe nicht mehr nach aussen gezogen werden.
Zum dritten Mal schlief Mojo nach der Spritze ein. Dieses Mal musste es einfach klappen. Um uns abzulenken, wanderten wir während der Operation auf den Harder. Schön, nach eineinhalb Monaten mit Mini-Spaziergängen endlich mal wieder richtig zu wandern und dabei ins Schwitzen zu kommen. Aber es fühlt sich irgendwie falsch an, wenn man dabei nicht mit einer Leine hantieren muss, den Wald links und rechts nicht nach Anzeichen wilder Tiere scannt oder beim nächsten grossen Stein nicht von einem stolzen „swiss mountain dog“ erwartet wird…

Beim erneuten Abnehmen des Verbandes dann die Erleichterung: Mojo steht prima auf das Bein, die Kniescheibe bleibt drin.
Jetzt kommt’s gut!
Update 8.4.21
Rückfall zum dritten…
Nach der zweiten Korrektur-OP belastete Mojo sein Bein zunehmend besser. Während der Reise in Frankreich trainierten wir fleissig mit den super Inputs und dem Übungsprogramm, welches uns Judith – die Tierphysiotherapeutin unseres Vertrauens – zusammengetellt hatte. Wir freuten uns sehr, zunehmend längere Spaziergänge machen zu können. Mojos Beinmuskulatur blieb jedoch weiterhin ziemlich schwach und baute sich nicht so schnell auf, wie wir uns das gewünscht hätten. Deshalb – und weil wir nichts riskieren wollten – liessen wir ihn bei Hundebegegnungen nicht von der Leine und mussten uns auch beim Spielen mit ihm selber immer wieder an der Nase nehmen, um nicht eine allzu grosse Dynamik aufkommen zu lassen. Dies war manchmal ziemlich hart, denn Mojos Lebensgeister erwachten regelmässig, wenn seine Pfoten auf den Morgenspaziergängen die unendlichen, von der Flut glattgebügelten Sandflächen berührten.
In Frankreich liessen wir das Knie noch einmal röntgen und sahen, dass die Knochenheilung zwar auf guten Weg war, aber noch mehr Zeit benötigte, um richtig stabil zu werden. Die stabilisierenden Elemente des Fremdmaterials waren zudem unter der dünnen Haut richtig deutlich zu spüren und wir vermuteten, dass sich dies wohl für Mojo sehr unangenehm anfühlen musste.
Zurück in der Schweiz folgte eine erneute Kontrolle, die zeigte, dass der Knochen nun gut durchgewachsen war. Wir liessen deshalb die störenden Elemente entfernen. Leider wurde im Rahmen des Eingriffs noch ein Infekt festgestellt. Eine kleine Wunde genau über dem Draht hatte wohl dazu geführt, dass Bakterien den Weg ins Knie fanden und sich am Metall festsetzen. Es folgte eine sechswöchige Antibiotika-Kur, in welcher wir noch gleich einen gröberen Zahnschaden beheben liessen, welcher während der Metallenfernungs-Narkose ebenfalls festgestellt wurde…
Nun ist die grosse Medikamentenschachtel aber endlich leer und Mojo geht es prächtig. Seine Muskulatur am operierten Bein ist auch wieder deutlich kräftiger geworden. Bevor wir nun weiterreisen, steht uns nur noch eine letzte Röntgenkontrolle des Knies bevor. Wir hoffen wirklich fest, dass diese endlich den Abschluss dieser fast ein Jahr andauernden Odyssee bedeuten wird.

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