Am Reisen und Leben im Bus schätzen wir die Möglichkeit, uns an immer neuen Orten aufzuhalten und unser Zuhause dabei zu haben, egal wohin uns der Weg führt. Im Bus haben wir alles dabei, was wir zum Leben unterwegs brauchen. Im Vergleich zu einem richtigen Haushalt ist es deutlich weniger, im Vergleich beispielsweise zum Trampen nur mit Rucksack und Zelt aber schon sehr viel.

Campen boomt momentan sehr, die Corona-Krise hat sicherlich stark dazu beigetragen. Die Idee ist schön, sich frei bewegen zu können, schöne Plätze aufzusuchen und sich trotzdem immer in das eigene Schneckenhaus zurückziehen zu können, fernab von Menschenansammlungen.

In der Schweiz waren in den letzten Wochen und Monaten vor allem Negativschlagzeilen zu lesen. Über Pfingsten und Auffahrt waren die Campingplätze noch zu, das Wetter war perfekt und die Schweizer wollten zwar raus ins Grüne, konnten aber das Land nicht verlassen. Auch wir waren am ersten Wochenende unterwegs – in einer eher weniger bekannten Region -und absolut überrascht von der gewaltigen Anzahl an Campingbussen und Wohnmobilen dort.

Seit Anfang dieses Jahres haben wir an vielen Orten Campingverbote angetroffen, wo bisher keine waren. Wir haben Verständnis für den Ärger, den Anwohner an bestimmten Orten aufgrund des respektlosen Verhaltens einzelner weniger Camper verspüren. Auch wir haben schon Orte angetroffen, wo wir über die Ideen und Hinterlassenschaften anderer Camper nur noch den Kopf schütteln konnten.

Wir sind überzeugt, dass die meisten Camper über eine gute Einstellung verfügen und ebenfalls eine gewisse Frustration verspüren, wenn es wieder irgendwo zu Konflikten gekommen ist und Plätze gesperrt werden. Das Fehlverhalten einiger weniger Idioten, gepaart mit der phasenweise angsteinflössenden Anzahl an Campern an schönen Wochenenden und in der Hochsaison, vermindert die Akzeptanz gegenüber den rücksichtsvollen Campern, von denen es viele gibt und zu denen wir uns auch zählen.

In Neuseeland gibt es ein System, das den Zugang zu Stellplätzen in der Natur nur denjenigen Campingfahrzeugen gewährt, die so ausgerüstet sind, dass sie vor Ort keine Infrastruktur benötigen und ausser Reifenspuren nichts hinterlassen. Diese sogenannten „self contained vehicles“ verfügen über einen genügend grossen Frischwasser-, bzw. Abwassertank sowie über eine eingebaute Toilette, um mindestens drei Tage „autark“ funktionieren zu können.

Unser Bus ist ebenfalls so eingerichtet, dass wir bis zu einer Woche ohne zusätzliche Infrastruktur auskommen können. Durch die Solaranlage brauchen wir keinen zusätzlichen Strom und unser Frischwasservorrat beträgt um die 80 Liter. Abwasser sammeln wir in einem separaten Kanister und das portable WC ist ein geschlossenes System – wir lassen nichts zurück.

In der Schweiz und in Europa ist uns bisher kein solches System bekannt. Trotzdem haben wir uns entschieden, unser Fahrzeug mit einem eigenen Sticker zu versehen, welcher vielleicht dem einen oder anderen kritischen Betrachter des Fahrzeugs etwas den Wind aus den Segeln nimmt, falls er uns gegenüber negativ eingestellt sein sollte. Falls der Betrachter mit der Botschaft des Stickers nichts anfangen kann, so hat er zumindest einen sehr schönen Aufkleber gesehen… Josi hat uns nach dem Erstellen der tollen Karte für das Abschlussfest nochmal auf wunderschöne Art unsere Stickeridee umgesetzt – vielen Dank!

gestaltet von Joséphine Billeter, www.oikeo-projects.com

Unsere Prinzipien beim (frei) Campen

  • Verbote werden respektiert
  • Naturschutzgebiete sind tabu
  • Ausser Reifenspuren und Fussabdrücken wird nichts zurückgelassen
  • Fremder Müll wird auch mal eingesammelt, wir möchten den Platz so hinterlassen, wie wir ihn gerne wieder antreffen würden.

Wenn wir an einem Ort stehen, wo zwar kein Verbot steht, aber wir spüren, dass sich jemand ab uns stört, suchen wir in der Regel das Gespräch. Daraus ergeben sich manchmal gute Alternativen. Wenn wir klar unerwünscht sind, fahren wir weiter.

Wir erachten es als nicht selbstverständlich, sein Auto irgendwo abstellen zu können und gratis darin zu übernachten. Natürlich haben wir nichts dagegen, wenn wir einen solchen Platz finden. Wichtiger als gratis zu übernachten ist uns aber, dass sich niemand ab uns stört.

Es gibt schon heute einige schöne Stellplätze, wo man quasi frei steht und eine (freiwillige) Gebühr entrichten kann. Wir hoffen, dass in Zukunft viele weitere solche Angebote entstehen werden.