In der Region des Fryken-Tals cruisten wir gemächlich und mit offenen Fenstern am späten Nachmittag durch die Landschaft. Der Fryken-See erstreckt sich auf fast 40km dünn und lang von Sunne bis Torsby. Die tief stehende Sonne glitzerte auf dem Wasser und liess die unzähligen roten Häuschen erstrahlen. Eines nach dem anderen wie aus dem Katalog und vor dem satten Hellgrün des jeweils perfekt gemähten Rasens und dem dunkleren Grün der dichten Nadelwälder wirklich ein Augenschmaus.


A propos perfekt gemähter Rasen: Lange war uns nicht klar, wie fast alle Rasenflächen stets so perfekt gestutzt sein können – schliesslich ist der schwedische Umschwung gefühlt etwa 10x so gross wie bei uns und kaum je ein Bewohner müht sich stundenlang im Garten ab. Jetzt wissen wir: Der Roboter macht’s! Die kleinen grauen Schildkröten drehen konstant ihre Runden und nehmen ihren Menschen gewissenhaft die Arbeit ab. Ab und zu sieht man dann doch noch einen Menschen mit Rasenmäher. Hier gibt es tolle Modelle zu bestaunen (also primär die Mäher, nicht die Menschen).


Je weiter wir das Tal hochfuhren, desto hügeliger wurde das Terrain. Wir kriegten Lust auf etwas Weitsicht und stoppten unweit des Naturreservats «Hovfjället».

Am kommenden Tag setzten wir uns gespannt ins Auto und nahmen die «irre steile Strasse» (Besucher-Rezension auf Google) in Angriff. Lange dauerte die Fahrt nicht, und so irre steil war sie auch nicht. Simmentaler Jungmütter würden hier den Kinderwagen locker bis auf den „Gipfel“ auf sage und schreibe 543 Meter über Meer hochschieben!

Hungrig nach Höhenmetern auf dem „Zwischengipfeli“

Der Besuch des Hovfjällets lohnte sich aber allemal. Im Winter ein sehr beliebtes Ski- und Langlaufgebiet, war es jetzt verlassen und ruhig dort oben und wir sahen die Nachbarhügel auf der norwegischen Seite. Eine Rundwanderung führte uns drei Stunden durch abwechslungsreiche Landschaften. Mal tiefster, feuchter Wald, dann ein Pfad auf Holzlatten über dem Moor, später wieder steinig und furztrockener Boden, den man gefühlt nur lange böse anschauen müsste, um ein Feuer zu entfachen. Dazwischen immer wieder idyllische Rastplätze mit Tischen, Bänken, Feuerstellen mit Schutzhütten und dem obligaten See für Mojo. Bei perfektem Wanderwetter begegneten wir keiner Menschenseele. Obschon wir uns bewusst sind, dass sich in Schweden alles gut verteilt, ist dies doch erstaunlich: Denn dieses Naturreservat befindet sich nur wenige Kilometer neben der Strasse E45, welche als eine der beliebten Nord-Süd – Strassen für Schweden-Touristen gilt. Uns war’s recht…

ein Naturreservat ganz für uns alleine

Nach der Rückkehr beim Ausgangspunkt war der grosse Parkplatz leer. Die beiden anderen Besucherautos waren schon weg und wir entschlossen uns deshalb zu einer spontanen Dusche mit Weitsicht. Kühl und erfrischend, direkt aus dem Wassertank. Manchmal sind die simplen Dinge die schönsten.

Mojo, genudelt nach so viel Sonne, Höhenmetern und spannenden Gerüchen, wollte nach dieser Tour nicht mehr lange Autofahren. Also fuhren wir zum selben schönen Platz zurück und siehe da, wir hatten auch hier den ganzen Platz für uns allein. In der Schweiz beinahe undenkbar… Dichtestress ist ein Fremdwort für uns in Schweden, ausser vielleicht wenn Mojo seine matten Beinchen auf unserem Bett ausstrecken muss. Ja, wir geben zu, er schläft mittlerweile immer bei uns im Bett. Wir sind schwach geworden. Aber es ist schön!