Nach Mojos Misstritt beschlich uns ein mulmiges Gefühl. Die Art, wie er sein Bein schonte, kam uns sehr bekannt vor. Wir entschlossen uns, einmal vorsorglich Richtung Süden weiterzufahren. Hier – hoch oben in Norwegen – würde es sowieso schwierig werden, einen Tierarzt zu finden. So passierten wir zuerst den Norwegischen Grenzposten: Eine kleine Runde Uniformierter Kaffee trinkend um ein Lagerfeuer. Etwas weiter der Finnische Checkpoint, menschenleer. Rebi betrat pflichtbewusst das Gebäude und scheuchte irgendwo in einer dunklen Ecke einen Zöllner auf, der sich aber überhaupt nicht für uns interessierte.


Mojo humpelte stark und so reisten wir ziemlich zügig nach Rovaniemi, um sein Bein untersuchen zu lassen. Da die beiden aufgesuchten Kliniken keine freien Termine hatten, konsultierten wir unseren Tierarzt und unsere Tierphysiotherapeutin in der Schweiz. Wir schickten ihnen nebst unseren Schilderungen auch ein Video vom humpelnden Mojo und erhielten auch von ihrer Seite die Einschätzung: Verdacht auf Kreuzbandriss.

Lagebesprechung im Bus.

Vieles ging uns durch den Kopf und wir spielten diverse Optionen durch. Schliesslich entschieden wir uns, in die Schweiz zurück zu fahren. Für die immer noch mehr als 3’500km planten wir etwas mehr als eine Woche ein und buchten einen OP-Termin. Sollte sich Mojo auf wundersame Weise bis dahin erholen, würden wir einfach an der Schweiz vorbeizischen und in eine andere Region weiterreisen.

unfreiwillige, dafür stressfreie Rückfahrt

Somit dauerte unser Aufenhalt in Finnland nur gerade 3 Tage, und schon waren wir wieder in Schweden. Wir nahmen uns fest vor, die Rückreise auch zu geniessen, so gut dies eben möglich war. So fuhren wir am Morgen jeweils eine grössere Strecke, machten genügend Pausen und suchten uns dafür jeweils Plätze aus, wo wir uns alle auf einem schönen Rasen ausstrecken konnten, als Ausgleich zu den vielen Stunden in der Hundebox, bzw. auf dem Autositz. Während der Fahrt hörten wir uns unzählige Input-Sendungen an und diskutierten darüber. So verging die Zeit ziemlich schnell und schon standen wir wieder am Fährhafen von Trelleborg. Einige Monate zuvor konnten wir es noch kaum glauben, wirklich in Schweden unterwegs sein zu können, jetzt standen wir mit gemischten Gefühlen an der selben Stelle und schauten aufs Meer hinaus. Egal, was als nächstes kommen würde, diese Reise durch Skandinavien hatte sich definitiv gelohnt. Zu unseren Füssen Mojo, den sein beschädigtes Bein kaum zu stören schien. Ihn würden wir also erneut einliefern und es würden viele anstrengende Tage folgen im Anschluss an den Eingriff. Und dann?


Die Fähre nach Rostock war deutlich voller als bei unserer ersten Überfahrt im April. Erneut gönnten wir uns den Luxus einer Koje, wo wir von dem ganzen Treiben auf dem Schiff gar nichts mitbekamen.


In Rostock angekommen, schlenderten wir gemütlich der Hafenpromenade entlang. Kaffee schlürfend setzten wir uns auf eine Bank und beobachteten, wer da sonst noch so herumspazierte. Da kamen zwei strahlende Gesichter auf uns zu, die wir bestens kannten. Nach Monaten ohne Begegnungen mit uns bekannten Menschen, hatte Mojo eine ziemlich lange Leitung. Als er nach einigen Sekunden begriff, wer da vor ihm stand, war die Freude plötzlich riesig. Lautstark zappelnd begrüsste er die beiden und sie zappelten freudig zurück. Anstelle der geplanten gemeinsamen Reisewochen mit ihnen dauerte unser Zusammensein halt nur wenige Stunden, aber es war trotzdem sehr schön und wohltuend.


Die Reise vom Norden zurück in die Schweiz fühlte sich auch ein wenig an wie eine Reise in die Vergangenheit. Sommerkleider, die wir im August schon längst weit unten in unseren Kleiderkisten verstaut hatten, kamen nochmals zum Zug. Schönstes Sommerwetter, nachdem wir uns schon mit dem Herbst abgefunden hatten.

Dann plötzlich hatte es uns wieder und wir waren wieder auf Schweizer Strassen unterwegs. Gefühlt wenige Minuten später Bern und kurz darauf Interlaken. Kleine Schweiz. Viel Betrieb überall. Physisch waren wir zwar zurück in der Heimat, unsere Seelen aber irgendwie noch nicht ganz – ein Gefühl, dass noch einige Tage andauern würde…


Die OP verlief gut, unser aller Verdacht stellte sich als wahr heraus. In den folgenden Tagen versuchten wir, Mojo die bestmöglichsten Umstände für seine Rahabilitation zu ermöglichen. Erfreut stellten wir fest, dass ihm die Erfahrungen der letztjährigen Operationen halfen, sich mit dem dick einbandagierten Bein zurechtzufinden. Damit er nicht allzu viel Zeit zum Grübeln hatte, forderten wir ihn schon früh wieder mit etwas Kopfarbeit. Wir selber beschäftigten uns mit viel Fachliteratur und Bewegung an der frischen Luft. Bis zum Kontrollröntgen nach einem Monat bewegen wir uns noch in der Schweiz umher. Dann möchten wir erneut aufbrechen. Gerne würden wir einmal selber den Zeitpunkt der Rückkehr bestimmen und nicht wegen äusseren Umständen heimkehren. Wir sind gespannt, wohin es uns verschlagen wird!

wie es wohl weitergehen wird?