Nach etwa zwei Wochen Reise konnten wir das Meer riechen – für uns jedes Mal wieder ein schöner Moment. Das Erlebnis war in diesem Fall umso intensiver, da ein Sturm uns die Gerüche des Atlantiks zusammen mit einer salzig-feuchten, leicht klebrigen Gischt um die Ohren peitschte. Wir stemmten uns gegen die Böen und Mojo legte seine Ohren an, um nicht davon zu fliegen.

Wie wir erfuhren, musste es vor einigen Tagen so richtig heftig gestürmt haben und bei unseren ersten Spaziergängen sahen wir an den Bäumen auch deutliche Spuren der Kräfte, die hier gewirkt haben mussten. Auf einer Bank im kleinen Hafen sitzend, beobachteten wir einen Kapitän, der sein kleines Austern-Boot in dieser rauhen See in einer Seelenruhe an Land steuerte. Unser Respekt war ihm und seinen Berufskollegen gewiss, denn wahrscheinlich braucht es deutlich mehr, bis sie entscheiden, die Arbeit für einmal ruhen zu lassen.

Nicht nur in diesem kleinen Küstenort an der Südküste der Bretagne, auch in den meisten anderen Siedlungen in dieser Region ist in der Nähe des Meeres Ruhe eingekehrt. Die Cafés und Restaurants sind in der Regel zu und es sind kaum Leute in den Strassen unterwegs. Wunderschöne Ferienhäuschen präsentieren sich uns im Schlummerzustand – die Gärten immer noch gepflegt, aber die Läden geschlossen. An den zahlreichen Parkmöglichkeiten lässt sich leicht erahnen, welch Gewusel hier in der Hauptsaison herrschen muss. Viele der Parkplätze sind mit einem Balken an der Einfahrt versehen, welcher grössere Fahrzeuge an der Zufahrt hindert. Man muss den Bretonen aber hoch anrechnen, dass sich in regelmässigen Abständen und oft nah an der Küste Wohnmobil-Stellplätze befinden, die sehr günstig oder sogar gratis (für eine oder zwei Nächte) Touristen wie uns zur Verfügung stehen.

gratis an der beachfront übernachten – merci beaucoup les Bretons!

Auf diesen Plätzen sind wir in vielerlei Hinsicht etwas die Exoten; meistens sind wir die einzigen Ausländer, unser Mobil ist sicher immer das kleinste und mit uns sinkt der Altersdurchschnitt der Anwesenden immer deutlich. Vielleicht ein Vorgeschmack auf die Algarve im Winter, wer weiss? Auf jeden Fall ist es auf diesen Parkmöglichkeiten in der Regel sehr friedlich und es hat jetzt in der Nebensaison längstens genügend Platz für alle – wir geniessen es, hier so einfach und stressfrei tolle Übernachtungsmöglichkeiten zu finden. Dies ist für uns eine neue Erfahrung, denn bisher haben wir unsere Camping-Ferien in Frankreich jobbedingt jeweils „ellbögelnd“ während der Hauptferienzeit verbracht.

Ein anderer schöner Aspekt am Reisen in der „basse saison“ ist, dass viele der Hundeverbote an den Stränden in dieser Zeit aufgehoben sind. Zwischen den Örtchen erstrecken sich immer wieder schöne Sandstrände und über weite Strecken der Küste führt die Grande Randonnée (GR 34), die alten Zöllnerwege, auf denen in 75 Tagen und auf 1’600km die Bretagne umwandert werden könnte – wir begnügen uns jeweils mit einigen Kilometern in die Richtung, die uns schöner erscheint und geniessen es, in der Regel den Strand für uns alleine zu haben.